Lerntherapie in Schule

Als Sonderschullehrerin und Lerntherapeutin (FiL) habe ich sechs Jahre lang das Konzept "Lerntherapie in Schule" an einer Montessori-Grundschule erprobt. Die präventive Arbeit nach dem RTI-Modell („Response-to-Intervention“, Gresham, VanDerHeyden & Witt, 2005) ist dabei Leitlinie des pädagogischen Handelns. Nach dem Grundsatz "früh fördern statt spät sitzen bleiben" (Dr. Jochen Klein, Hamburger Kreisel), bleibt Schülern durch Unterstützung im Kleingruppentraining die Lernfreude erhalten und der Anschluss an die geforderten Kompetenzen kann langfristig erzielt werden.

sitzenbleiben

Der lerntherapeutische Ansatz ist Grundlage der Förderung. Mit evaluiertem (auf Wirksamkeit geprüften) Fördermaterial werden systematisch Kernkompetenzen im Bereich Schriftsprache und Mathematik aufgebaut. In systemischer Sichtweise sind das ganze Kind mit seinen Stärken und Schwächen und sein gesamtes Beziehungsgefüge im Fokus (Strukturmodell, Betz Breuninger).

Mit einem guten Diagnosekonzept der Schule beginnt die präventive Förderung mit der Einschulung. Seien es Lücken in der phonologischen Bewusstheit oder eine langsame Entwicklung der mathematischen Vorläuferfunktionen, Unterstützung kann von Anfang an wirksam greifen:

  • Flächendeckende Screenings ab der Einschulung decken Förderbedarfe rechtzeitig auf.
  • "Kurze Wege" in Schule bedeuten schnellen, unkomplizierten Austausch mit Kollegen.
  • Es gibt kein Ausgrenzen, Aussortieren oder Abstempeln, sondern temporäre Unterstützung, solange wie nötig.
  • Die Schüler werden in der Unterrichtszeit da abgeholt, wo sie stehen, sie nutzen die Förderung während der Freiarbeitsphase nach Montessori.
  • Es werden geldliche und zeitlichen Ressourcen durch das inklusive Angebot in Schule eingespart.
  • Kinder mit Teilleistungsstörungen profitieren genauso von diesem Ansatz, wie Schüler mit einer generellen Lernschwäche.

Nicht immer ist die lerntherapeutisch orientierte Kleingruppenförderung ausreichend. Dann ist die Aufnahme eines individuellen lerntherapeutischen Einzeltrainings ergänzend notwendig.

Die vernetzte Förderung von Lerntherapie in Schule wurde in den letzten Jahren in Praxis und Wissenschaft erprobt. Viele Projekte wurden vom Kreisel e.V. im Hamburger Raum initiiert und begleitet, andere vom FiL-Verband und dem Legasthenie-Zentrum Berlin unterstützt.

 

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